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scharmützel

drängel nicht vor
atme ein und aus
nimm dich nicht wichtig
schreib ach schreib!
aber nur nichts dummes
komm in die stille
tu was sinnvolles
einfach leben
ein dummkopf bist du
und genieße es
du bist nicht frei
nimm dir immer
ein letztes wort


Dieser Text (und Bild) ist Bestandteil einer gemeinsamen Schreib-Challenge mit Brigitte Windt: „Schreiben im November. Berlin 30 Tage 30 Texte„.

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Die Mauer muss weg

Die Mauer muss weg
dachte ich gestern als ich
die alten Bilder im Fernsehen sah
Die Mauer muss weg
rief „das Volk“ vor 30 Jahren
und weit sind wir nicht gekommen

Die Mauer aus unseren Herzen
aus den Köpfen
und den Eingeweiden
Sie steht noch glänzend
schwarz und rot und gold

gemauert aus Angst und Gewohnheit
solide gebaut durch Jahrzehnte
von der Mutter dem Großvater
der Urgroßtante

Schal schmecken die Bilder
der taumelnden Wiedervereinten
der damals Geflohenen
scheel blicken sie heute
auf die Fremden im Land

Geflohene aus fernen Brandherden
Die wollen sicher unser Geld
Parasiten, das sieht man schon
von weitem

Vergessen der taumelnde Freudentanz
89 auf der Mauer
aber sie steht ja noch

die Mauer
muss weg

 


Dieser Text (und Bild) ist Bestandteil einer gemeinsamen Schreib-Challenge mit Brigitte Windt: „Schreiben im November. Berlin 30 Tage 30 Texte„.

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Elfchen vom Zweifeln

ich
bin weltmeisterin
im zweifeln: aber
vielleicht auch doch nicht.
andererseits…

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wieder neu

Zeichnung: ausgetretene Schuhe - Bild 01 zu 30 Skizzen im November

aus den zerfransten schuhen
aussteigen
und ein gutes stück
barfuß gehen

bis zur tankstelle

den prickelnden
asphalt unter den sohlen
spüren

den nächstbesten lift
nehmen
ein graugrünes auto
opel passat
gerade hinein in den kosmos

einer neuen landschaft
ausatmen

allem bekannten
adieu
sagen
und sich nicht umdrehen
um
ganz wie im Märchen
keine Salzsäule zu werden

(es geht gut aus)

dann irgendwo ein halt
die lunge mit frischer luft
füllen
neu und
unbekannt sein

zurückkehren


Dieser Text (und Bild) ist Bestandteil einer gemeinsamen Schreib-Challenge mit Brigitte Windt: „Schreiben im November. Berlin 30 Tage 30 Texte„.

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30 Texte schreiben im November

Der Herbst ist ja bekanntlich eine ansteckende Jahreszeit. Allerdings nicht nur für Erkältungen… Wie eine Art Virus, aber einer der freundlichen Sorte, hat sich das „30 Tage Schreiben und Zeichnen im November“ in der Berliner Schreibszene ausgebreitet. Meine Schreibfreundin Brigitte, ist schon seit Wochen im vorfreudigen Fieber: Schreiben im November – jeden Tag einen Text … und ein Bild entstehen lassen. Ein Spiel mit Bildern und Texten, Worten, Gedanken, zwischen Schreibenden.

Eigentlich recht verlockend, denke ich mir. Ein Ping Pong (Päng, Pung… ) auch zwischen dir, liebe Leserin, lieber Mitschreiber, und mir, die mitliest und schreibt – und dem November, der wie ein nebliges, graugrünes Wattenmeer das Ende des Jahres einläutet.

Endlich bricht die Zeit der Introvertierten an, wir entzünden Kerzen, trinken große Mengen Kräuter- u.a. Tees und steigen in dampfende Badewannen. Es ist nur recht, sich zu Hause einzugraben und nicht mehr hektisch von A nach B zu rennen, die Gartenhütte zu reparieren oder sonstewas. Endlich Ruhe. Die perfekte Zeit zum Schreiben.

Wie jedes Spiel, das mit Schreiben – und dann auch noch mit Zeichnen – zu tun hat, schwingt bei mir sogleich eine Saite an. Eine innere Stimme flüstert: Mach mit, das ist witzig! Wird bestimmt ein totaler Spaß. Und im November gelingt sowieso nichts anderes (außer gelegentlich eine Revolution, aber das ist eine andere Sache).

Wer Lust hat, schaut hier, was aus meiner Ansteckung (bisher) entstanden ist: 30 Texte im November.

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Textfundstück: Das Füllwort

Das Füllwort

Es fristet ein diskriminiertes Dasein.
Beharrlich wie eine Schildlaus
setzt es sich zwischen
die Ritzen der „anständigen“ Wörter.

Es hilft den Unsicheren und rettet alle,
die sich nicht entscheiden können.
Es ist verspielt und unkaputtbar.
Immer voll im Trend, unsterblich:

das Füllwort.

© Kathrin Möller möllerscript

P.S. Der kleine Text entstand als Randnotiz bei einem Treffen der Berliner Toastmaster Spreeredner, bei denen ich seit dem Herbst 2018 mitmache.

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Dunkelblau – eine Gedankenreise

Dunkelblaues Manuskript. Visionen entwickeln mit einer Gedankenreise / Fantasiereise. Kreatives Schreiben in BerlinEines Morgens betrat ich die Straße vor meinem Haus und sah einen Mann an der Ecke stehen. Irgendwie kam er mir bekannt vor. Ich ging langsam auf ihn zu und musterte sein Gesicht. Sonnengebräunte Haut, dichte Augenbrauen – tiefschwarz, die Schläfen schon leicht ergraut. Er drehte den Kopf und lächelte, als er mich entdeckte.

„Guten Tag!“ Ich zuckte leicht zusammen. „Ja? Hallo?“, sagte ich und trat zögernd etwas näher. Ich wusste immer noch nicht, wohin ich das Gesicht stecken sollte.

„Ich habe schon auf dich gewartet.“ Der Mann lächelte wieder – schmunzelte richtig in sich hinein. Ehe ich noch etwas sagen konnte, öffnete er einen dunkelblauen Aktenkoffer – darin kam ein dickes, handbeschriebenes Manuskript zum Vorschein.

„Hier“, sagte der Mann und überreichte mir die Papiere. „Das ist doch für dich!“ Daraufhin zwinkerte er mir kurz zu und ging ohne ein weiteres Wort davon. Ich starrte ihm hinterher und dann auf den Packen Papier in meinen Händen. Es war ein leicht vergilbtes Bündel, das mit zierlicher, gleichmäßiger Handschrift beschrieben war.

„Wer schreibt denn heute noch mit der Hand?“, dachte ich. „Dolores, wie sie wirklich war“, entzifferte ich die geschwungene Schrift.’Ganz sicher‘, dachte ich, ‚hat das eine Frau geschrieben.‘

Ich stand immer noch an der Straßenecke und war neugierig, wie Dolores wirklich gewesen sein mochte. Ein frischer Wind blies mir in den Nacken und ich spürte, wie durchgefroren ich inzwischen war. Mit klammen Fingern öffnete ich das Manuskript und entdeckte: Die Seiten waren ganz leer. ‚Da ist Dolores wohl ein Nichts gewesen‘, dachte ich enttäuscht. Vielleicht hatte sie auch gar nicht existiert. Aber das konnte nicht sein.

Nachdenklich schaute ich auf das Deckblatt und las den Titel – wieder und wieder. Es war wirklich seltsam. Den Namen Dolores kannte ich nämlich sehr gut: Mit diesem, meinem zweiten Vornamen war ich als junges Mädchen gerufen worden. Schon lange hatte ihn niemand mehr benutzt und nur meine Familie und Freunde von damals kannten den Namen. Menschen aus meiner jetzigen Welt nannten mich: Sonja. Oder Dr. Sonja Mandelbaum.

Dolores. Das war ein Klang von früher. Ein Name, der längst verschwunden war. Was sollte das?

Plötzlich fiel mir der Mann wieder ein. Wo mochte er hingegangen sein? Meine Augen suchten die Straße ab, aber da waren nur fremde Leute. Ich stand allein, umgeben von Verkehr und Fußgängern. Eine Frau schob einen Zwillingswagen vorbei, ein Mann – Mitte dreißig, in Jogging-Hosen, führte einen stattlichen Boxerhund an der Leine. Ich stand allein und überlegte, wie Dolores wirklich war.

Schreibtipp

Der Text kann die Grundlage für eine Gedankenreise sein, um verschüttete Träume, ungelebte bzw. unsichtbare Seiten des Selbst zu erkunden. Vielleicht finden Sie es spannend, sich vorzustellen, Sie selbst hätten an Dolores Stelle diese Begegnung gehabt. Was würde in Ihrem Manuskript des ungelebten, verschütteten Lebens stehen? Machen Sie sich Notizen…

Kreative Biografiearbeit: Die Gedankenreise, auch Fantasiereise genannt, ist eine Methode, die ich gern in meinen Workshops zur kreativen Biografiearbeit einsetze, insbesondere, wenn es um das Entwickeln von Zukunftsbildern bzw. Visionen geht.

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Schreibtipp: In ein anderes Leben schlüpfen

Kreatives Schreiben in Berlin - Schreibideen finden unterwegs in der StadtSchreibideen sammeln in der Stadt

Du suchst Inspirationen für eine Geschichte? Die Stadt und ihre Bewohner/-innen können dir eine Fülle an Ideen zum Schreiben liefern.

Beim Spazieren gehen oder Bahn fahren kannst du dich wie an einem reichhaltigen „Ideen-Buffet“ bedienen. Hierzu brauchst du nur die Menschen um dich herum zu beobachten. Wenn du in der Stadt unterwegs bist, idealerweise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (Stadtbahn, U-Bahn, Bus oder Tram), pickst du dir eine Person raus und machst dir Notizen zu ihr. Lass dabei deiner Fantasie freien Lauf … Überlege z.B.:

  • Wer könnte die Person sein?
  • Was beschäftigt sie wohl gerade in diesem Moment?
  • Wohin ist sie unterwegs und weshalb?

Und für Fortgeschrittene: Was wäre, wenn du sie ansprechen würdest und bitten, sie ein Stück ihres Weges begleiten zu dürfen? Schreibe auf, was du mit der Person erleben bzw. von ihr lernen würdest. – Ganz Mutige unter euch setzen dies dann in die Tat um. ;-)

Lies hier eine Geschichte, die so entstanden ist: Der Flaneur

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Kreatives Schreiben mit Sprichwörtern

Der folgende Text entstand bei unserem Offenen Treff für kreatives Schreiben.

Wortwörtlich

Schreibidee "einen Frosch im Hals haben"

Frosch im Hals? Geschichtenideen aus Sprichwörtern und Redewendungen

Plötzlich bekam Kai keine Luft mehr. Er beugte sich hustend über die Salatschale und röchelte. Seine Mutter sprang vom Tisch auf,  in zwei Sätzen war sie bei ihm und schlug dem Jungen kurz und kräftig auf den Rücken. Der aber ruderte nur wild mit den Armen und starrte hilfesuchend seine Mutter an. Sekunden später hatte diese den Notruf gewählt.

Der Arzt stellte zügig seinen Koffer ab und beugte sich über den röchelnden Patienten. Mit schnellen Bewegungen tastete er routiniert Hals und Kiefer des Jungen ab. Eine Lampe leuchtete in den Rachen und eine Art Schlauchzange zwängte sich – während Kai verzweifelt nach Atem rang – die Luftröhre hinab. Der Arzt packte es, das da zappelnd den Weg versperrte. Ein kurzer Ruck und Kai war befreit. Er hustete und starrte erstaunt auf das kleine Tablett, auf dem der Arzt den Störenfried platziert hatte. Dort hockte nun ein winziger Frosch, nicht größer als der Nagel von Kais kleinem Finger, und war ebenso schreckerstarrt wie der Junge selbst.

© Textarchiv möllerscript, 2016 | Wir danken für die Genehmigung zur Veröffentlichung.

Kreative Schreibmethode:

Sprichwörter und Redewendungen als Inspiration für Geschichten nutzen

Aus einer vorbereiteten Sammlung zieht jede/r ein Sprichwort (oder eine Redewendung) und verfasst dazu eine kurze Geschichte, in der das Sprichwort tatsächlich wortwörtlich passiert, also nicht im übertragenen Sinne, als Metapher verwendet wird. So war der Ausgangspunkt für den hier vorgestellten Text zum Beispiel die Redewendung „einen Frosch im Hals haben“.


Mehr Infos zum Schreibtreff

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Den kreativen Brunnen auffüllen

Eine Auszeit den kreativen Kopf und lässt neue Ideen sprießen

Eine Auszeit lüftet den kreativen Kopf und lässt neue Ideen sprießen.

Auszeit als Teil der Arbeit begreifen

Keine Ideen mehr – im Kopf nur leere Wüste. Auch und gerade diejenigen unter uns, die in kreativen Berufen tätig sind, benötigen regelmäßige Auszeiten, um ihre Ressourcen aufzufüllen. Ich verstehe diese Zeiten als feste Bestandteile meiner Arbeit. Wenn mich von Zeit zu Zeit der „Seminar-Blues“ befällt, die Motivation zur Arbeit nachlässt oder der Antrieb, mit eigenen Schreibprojekten voranzukommen, ganz versiegt, ist mein „kreativer Brunnen“ ausgetrocknet. – Höchste Zeit für eine Schaffenspause. Am liebsten fahre ich dafür ein paar Tage raus aus Berlin, weg von meinen täglichen Wegen und Arbeitsorten. Zum Beispiel in den Hohen Fläming südwestlich von Berlin (wo im September das nebenstehende Foto entstanden ist) oder ins östlich gelegene Oderbruch zur Pensionsinhaberin und Malerin Judy Guilford.

Regeln für kreative Auszeiten

Die wichtigsten Regeln für mich, um den „kreativen Brunnen“ neu zu füllen, sind:

  • allein reisen
  • zu einem abgeschiedenen Ort mitten in der Natur (idealerweise kein Handy-Empfang)
  • keine Bücher, Fernsehen, Computer (auch kein kleines Tablet ;-)) mitnehmen, stattdessen…
  • Wegbegleiter wie Papier, Stifte, Schreibbücher, Schere und Klebstoff sowie
  • Dinge, die den Aufenthalt verschönern: Kerzen, Duftschale u.ä.

Am Anfang: Nimm dir den 1. Tag deiner Auszeit dafür, nichts zu tun – d.h.: ankommen, die Umgebung wahrnehmen, dich selbst wahrnehmen, Stille genießen, schweigen.

Und was nun? Verwöhne nun die „ausgehungerte Kreative“ in dir mit allem, was sie erheitert. Tu das, was du sonst nie tust, was einfach nur Spaß macht und doch im Alltag fast nicht vorkommt. Vielleicht lauthals singen, unter der Dusche pfeifen, auf einem Bein hüpfen, Kastanien sammeln und Figuren daraus machen, Holz sammeln und ein Lagerfeuer entzünden… Erinnere dich an deine Kindertage und daran, was du als Kind gern getan hast. Versuche möglichst wenig von dem zu tun, was du sonst im (Arbeits-) Alltag machst. Auszeiten sollten ausschließlich lustgesteuert und absolut nicht auf ein Ziel oder ein bestimmtes Ergebnis ausgerichtet sein.

Ich mache solche Auszeiten mindestens ein, zweimal im Jahr für ein paar Tage und erlebe oft schon währenddessen das Wiederkehren von Lust und Laune und manchmal einen regelrechten „Kreativitätsflash“. Oft entstehen nach meiner Rückkehr ganz neue Ideen für meine Seminare  oder ein ganzes Konzept ist wie von Zauberhand fertig.

In diesem Sinne wünsche ich dir viel Spaß bei deiner eigenen kreativen Auszeit.