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Dunkelblau – eine Gedankenreise

Dunkelblaues Manuskript. Visionen entwickeln mit einer Gedankenreise / Fantasiereise. Kreatives Schreiben in BerlinEines Morgens betrat ich die Straße vor meinem Haus und sah einen Mann an der Ecke stehen. Irgendwie kam er mir bekannt vor. Ich ging langsam auf ihn zu und musterte sein Gesicht. Sonnengebräunte Haut, dichte Augenbrauen – tiefschwarz, die Schläfen schon leicht ergraut. Er drehte den Kopf und lächelte, als er mich entdeckte.

„Guten Tag!“ Ich zuckte leicht zusammen. „Ja? Hallo?“, sagte ich und trat zögernd etwas näher. Ich wusste immer noch nicht, wohin ich das Gesicht stecken sollte.

„Ich habe schon auf dich gewartet.“ Der Mann lächelte wieder – schmunzelte richtig in sich hinein. Ehe ich noch etwas sagen konnte, öffnete er einen dunkelblauen Aktenkoffer – darin kam ein dickes, handbeschriebenes Manuskript zum Vorschein.

„Hier“, sagte der Mann und überreichte mir die Papiere. „Das ist doch für dich!“ Daraufhin zwinkerte er mir kurz zu und ging ohne ein weiteres Wort davon. Ich starrte ihm hinterher und dann auf den Packen Papier in meinen Händen. Es war ein leicht vergilbtes Bündel, das mit zierlicher, gleichmäßiger Handschrift beschrieben war.

„Wer schreibt denn heute noch mit der Hand?“, dachte ich. „Dolores, wie sie wirklich war“, entzifferte ich die geschwungene Schrift.’Ganz sicher‘, dachte ich, ‚hat das eine Frau geschrieben.‘

Ich stand immer noch an der Straßenecke und war neugierig, wie Dolores wirklich gewesen sein mochte. Ein frischer Wind blies mir in den Nacken und ich spürte, wie durchgefroren ich inzwischen war. Mit klammen Fingern öffnete ich das Manuskript und entdeckte: Die Seiten waren ganz leer. ‚Da ist Dolores wohl ein Nichts gewesen‘, dachte ich enttäuscht. Vielleicht hatte sie auch gar nicht existiert. Aber das konnte nicht sein.

Nachdenklich schaute ich auf das Deckblatt und las den Titel – wieder und wieder. Es war wirklich seltsam. Den Namen Dolores kannte ich nämlich sehr gut: Mit diesem, meinem zweiten Vornamen war ich als junges Mädchen gerufen worden. Schon lange hatte ihn niemand mehr benutzt und nur meine Familie und Freunde von damals kannten den Namen. Menschen aus meiner jetzigen Welt nannten mich: Sonja. Oder Dr. Sonja Mandelbaum.

Dolores. Das war ein Klang von früher. Ein Name, der längst verschwunden war. Was sollte das?

Plötzlich fiel mir der Mann wieder ein. Wo mochte er hingegangen sein? Meine Augen suchten die Straße ab, aber da waren nur fremde Leute. Ich stand allein, umgeben von Verkehr und Fußgängern. Eine Frau schob einen Zwillingswagen vorbei, ein Mann – Mitte dreißig, in Jogging-Hosen, führte einen stattlichen Boxerhund an der Leine. Ich stand allein und überlegte, wie Dolores wirklich war.

Schreibtipp

Der Text kann die Grundlage für eine Gedankenreise sein, um verschüttete Träume, ungelebte bzw. unsichtbare Seiten des Selbst zu erkunden. Vielleicht finden Sie es spannend, sich vorzustellen, Sie selbst hätten an Dolores Stelle diese Begegnung gehabt. Was würde in Ihrem Manuskript des ungelebten, verschütteten Lebens stehen? Machen Sie sich Notizen…

Kreative Biografiearbeit: Die Gedankenreise, auch Fantasiereise genannt, ist eine Methode, die ich gern in meinen Workshops zur kreativen Biografiearbeit einsetze, insbesondere, wenn es um das Entwickeln von Zukunftsbildern bzw. Visionen geht.

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Schreibtipp: In ein anderes Leben schlüpfen

Kreatives Schreiben in Berlin - Schreibideen finden unterwegs in der StadtSchreibideen sammeln in der Stadt

Du suchst Inspirationen für eine Geschichte? Die Stadt und ihre Bewohner/-innen können dir eine Fülle an Ideen zum Schreiben liefern.

Beim Spazieren gehen oder Bahn fahren kannst du dich wie an einem reichhaltigen „Ideen-Buffet“ bedienen. Hierzu brauchst du nur die Menschen um dich herum zu beobachten. Wenn du in der Stadt unterwegs bist, idealerweise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (Stadtbahn, U-Bahn, Bus oder Tram), pickst du dir eine Person raus und machst dir Notizen zu ihr. Lass dabei deiner Fantasie freien Lauf … Überlege z.B.:

  • Wer könnte die Person sein?
  • Was beschäftigt sie wohl gerade in diesem Moment?
  • Wohin ist sie unterwegs und weshalb?

Und für Fortgeschrittene: Was wäre, wenn du sie ansprechen würdest und bitten, sie ein Stück ihres Weges begleiten zu dürfen? Schreibe auf, was du mit der Person erleben bzw. von ihr lernen würdest. – Ganz Mutige unter euch setzen dies dann in die Tat um. ;-)

Lies hier eine Geschichte, die so entstanden ist: Der Flaneur

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Kreatives Schreiben mit Sprichwörtern

Der folgende Text entstand bei unserem Offenen Treff für kreatives Schreiben.

Wortwörtlich

Schreibidee "einen Frosch im Hals haben"

Frosch im Hals? Geschichtenideen aus Sprichwörtern und Redewendungen

Plötzlich bekam Kai keine Luft mehr. Er beugte sich hustend über die Salatschale und röchelte. Seine Mutter sprang vom Tisch auf,  in zwei Sätzen war sie bei ihm und schlug dem Jungen kurz und kräftig auf den Rücken. Der aber ruderte nur wild mit den Armen und starrte hilfesuchend seine Mutter an. Sekunden später hatte diese den Notruf gewählt.

Der Arzt stellte zügig seinen Koffer ab und beugte sich über den röchelnden Patienten. Mit schnellen Bewegungen tastete er routiniert Hals und Kiefer des Jungen ab. Eine Lampe leuchtete in den Rachen und eine Art Schlauchzange zwängte sich – während Kai verzweifelt nach Atem rang – die Luftröhre hinab. Der Arzt packte es, das da zappelnd den Weg versperrte. Ein kurzer Ruck und Kai war befreit. Er hustete und starrte erstaunt auf das kleine Tablett, auf dem der Arzt den Störenfried platziert hatte. Dort hockte nun ein winziger Frosch, nicht größer als der Nagel von Kais kleinem Finger, und war ebenso schreckerstarrt wie der Junge selbst.

© Textarchiv möllerscript, 2016 | Wir danken für die Genehmigung zur Veröffentlichung.

Kreative Schreibmethode:

Sprichwörter und Redewendungen als Inspiration für Geschichten nutzen

Aus einer vorbereiteten Sammlung zieht jede/r ein Sprichwort (oder eine Redewendung) und verfasst dazu eine kurze Geschichte, in der das Sprichwort tatsächlich wortwörtlich passiert, also nicht im übertragenen Sinne, als Metapher verwendet wird. So war der Ausgangspunkt für den hier vorgestellten Text zum Beispiel die Redewendung „einen Frosch im Hals haben“.


Mehr Infos zum Schreibtreff

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Textfundstück: Der Flaneur

Die Berliner Untergrundbahn erhebt sich, an diesem sonnigen Dienstagvormittag noch spärlich besetzt, aus der Tiefe und ruckelt leise quietschend weiter über der Stadt. Das plötzliche Tageslicht blendet, der Mann mir gegenüber kneift die Augen zusammen. Ich sehe einen Anzugträger um die 50, sein Gesicht eingerahmt von einer dickrandigen Brille, leicht ergraut der Bart. Auf den Knien die unvermeidliche schwarze Notebook-Tasche. – Wer weiß, was da wirklich drin ist? Wer ist der Mann und wohin fährt er? – Ich denke mir Folgendes:

Frank ist die rechte Hand des Geschäftsführers eines aufstrebenden Berliner Software-Unternehmens. Seit acht Jahren fährt er jeden Morgen von Pankow zum Fehrbelliner Platz. Allerdings fährt er nicht – wie Millionen seiner Zeitgenossen – auf direktem und zeitsparendstem Wege zur Arbeit. Er liebt es vielmehr, einen Umweg zu nehmen. Wo andere seufzen, genießt er die Verspätung, gönnt sich den Zwischenausstieg und das Flanieren durch die Stadt. Dass er dafür die doppelte, manchmal drei- oder vierfache Zeit braucht, ist ihm nicht Qual, sondern höchstes Vergnügen.

Der Mann entnimmt seiner Tasche ein schmales Notebook, klappt es auf und beginnt unverzüglich zu schreiben. Beim Tippen schmunzelt er leise in sich hinein. Anscheinend hat er einen echten Fund gemacht. Und da höre ich es auch: Die beiden Kinder neben ihm auf der Bank unterhalten sich über ein interessantes Thema.

Der Flaneur - Kreatives Schreiben in der U-Bahn

Situations-Skizze für den Fall, dass der Protagonist noch während des Schreibens davonläuft

Was passiert, wenn man tot ist?, fragt der Junge. – Wir kommen alle in einen großen Kessel, der wird dann verrührt, und etwas Neues wird daraus gemacht, erklärt ihm freundlich seine Begleiterin. Ein Baum, ein Entenküken, ein Kiesel oder wieder ein neuer, kleiner Mensch. – Der Junge runzelt die Stirn. – Ein Baby also? – Dann sagt er: Unsere Seele kommt aber nicht in den Kessel. Die fliegt hoch. – Wohin denn? – Jetzt verzieht das Mädchen mitleidig den Mund. Der Junge erklärt ernst: Sie fliegt hin, wo sie hinwill. Über das Wasser oder auf einen hohen Berg oder ins Weltall mit den Kosmonauten. – Das Mädchen überlegt nun doch: Und die Seele, die gerade keine Lust mehr zum fliegen hat, sucht sich jemanden, der aus dem Kessel kommt. – Aber wo steht der Kessel?

Frank klappt das Notebook zu und erhebt sich zum Aussteigen. „Hausvogteiplatz“ lese ich auf den einfahrenden Schildern am Bahnsteig. Ich stehe auch auf und folge ihm. Dicht hintereinander erklimmen wir die Treppenstufen raus dem Bahnhof. Dann lasse ich ihn vorausgehen. Mein Geschichtenträger schlendert gemächlich um zwei Ecken, quert den Hausvogteiplatz, nicht ohne vor dem ehrwürdigen Schauspielhaus einen Moment innezuhalten. Um diese Uhrzeit ist der Platz noch wie leergefegt. Der Himmel hat sich inzwischen verdunkelt und ein paar dicke Regentropfen lösen sich aus den Wolken. Der Flaneur schlägt den Kragen hoch und wendet sich zum Gehen. Ich meine, ihm anzusehen, wie er den Faden seiner Geschichte in Gedanken weiterspinnt. Während er einer Radfahrerin den Vortritt lässt und sich geschickt zwischen zwei wartenden Taxis durchschlängelt, denkt er über das Sterben nach, über einen großen Kessel und fliegende Seelen.

Wir gehen noch ein Stück zusammen die Jerusalemer Straße hinunter Richtung Leipziger. Ein Bus fährt gerade an einer Haltestelle ein und ich lasse meinen Flaneur einsteigen und davonfahren. Frank wird sich an diesem Morgen noch weitere 45 Minuten durch die Stadt chauffieren lassen. Ein- oder zweimal wird er umsteigen und das letzte Stück zum Bürogebäude zu Fuß zurücklegen. (So denke ich mir das jedenfalls.) Ich spaziere zurück zur U-Bahn fahre weiter auf geradem Weg dorthin, wo ich ursprünglich hinwollte.

Erfahre hier mehr über die Schreibmethode zu diesem Text.

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Den kreativen Brunnen auffüllen

Eine Auszeit den kreativen Kopf und lässt neue Ideen sprießen

Eine Auszeit lüftet den kreativen Kopf und lässt neue Ideen sprießen.

Auszeit als Teil der Arbeit begreifen

Keine Ideen mehr – im Kopf nur leere Wüste. Auch und gerade diejenigen unter uns, die in kreativen Berufen tätig sind, benötigen regelmäßige Auszeiten, um ihre Ressourcen aufzufüllen. Ich verstehe diese Zeiten als feste Bestandteile meiner Arbeit. Wenn mich von Zeit zu Zeit der „Seminar-Blues“ befällt, die Motivation zur Arbeit nachlässt oder der Antrieb, mit eigenen Schreibprojekten voranzukommen, ganz versiegt, ist mein „kreativer Brunnen“ ausgetrocknet. – Höchste Zeit für eine Schaffenspause. Am liebsten fahre ich dafür ein paar Tage raus aus Berlin, weg von meinen täglichen Wegen und Arbeitsorten. Zum Beispiel in den Hohen Fläming südwestlich von Berlin (wo im September das nebenstehende Foto entstanden ist) oder ins östlich gelegene Oderbruch zur Pensionsinhaberin und Malerin Judy Guilford.

Regeln für kreative Auszeiten

Die wichtigsten Regeln für mich, um den „kreativen Brunnen“ neu zu füllen, sind:

  • allein reisen
  • zu einem abgeschiedenen Ort mitten in der Natur (idealerweise kein Handy-Empfang)
  • keine Bücher, Fernsehen, Computer (auch kein kleines Tablet ;-)) mitnehmen, stattdessen…
  • Wegbegleiter wie Papier, Stifte, Schreibbücher, Schere und Klebstoff sowie
  • Dinge, die den Aufenthalt verschönern: Kerzen, Duftschale u.ä.

Am Anfang: Nimm dir den 1. Tag deiner Auszeit dafür, nichts zu tun – d.h.: ankommen, die Umgebung wahrnehmen, dich selbst wahrnehmen, Stille genießen, schweigen.

Und was nun? Verwöhne nun die „ausgehungerte Kreative“ in dir mit allem, was sie erheitert. Tu das, was du sonst nie tust, was einfach nur Spaß macht und doch im Alltag fast nicht vorkommt. Vielleicht lauthals singen, unter der Dusche pfeifen, auf einem Bein hüpfen, Kastanien sammeln und Figuren daraus machen, Holz sammeln und ein Lagerfeuer entzünden… Erinnere dich an deine Kindertage und daran, was du als Kind gern getan hast. Versuche möglichst wenig von dem zu tun, was du sonst im (Arbeits-) Alltag machst. Auszeiten sollten ausschließlich lustgesteuert und absolut nicht auf ein Ziel oder ein bestimmtes Ergebnis ausgerichtet sein.

Ich mache solche Auszeiten mindestens ein, zweimal im Jahr für ein paar Tage und erlebe oft schon währenddessen das Wiederkehren von Lust und Laune und manchmal einen regelrechten „Kreativitätsflash“. Oft entstehen nach meiner Rückkehr ganz neue Ideen für meine Seminare  oder ein ganzes Konzept ist wie von Zauberhand fertig.

In diesem Sinne wünsche ich dir viel Spaß bei deiner eigenen kreativen Auszeit.

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In jedem Tabu steckt eine spannende Geschichte

schreibmethode-los-ziehen-tabu-verbotenesDieses Mal hatten wir bei unserem monatlichen Treff für kreatives Schreiben das spannende Thema „über Tabus schreiben“ am Wickel. Dazu sammelten wir zunächst auf Zetteln Ideen zum Thema Tabu – also Dinge, die wir selbst nicht tun würden oder solche, von denen „man sagt“, dass sie nicht getan werden sollten. Zum Beispiel: „sich in der Schlange vordrängeln“, „quer über ein Blumenbeet trampeln“, „Diebstahl begehen“… Die Zettel falteten wir dann zu Losen, jede Person zog ein Los und schrieb dann mit dem gezogenen Thema eine Geschichte.

Die anschließende Leserunde war bewegend: skurrile, amüsante, aber auch nachdenkliche Texte waren zu hören. Spannend, was sich gerade aus dem entfaltet kann, das wir als „tabu“ bzw. „verboten“ wahrnehmen. Da wird ein Taxifahrer von seinem Kunden hochbezahlt, er möge dessen Zimmer mit einer Axt zerlegen. Ein Affe wird vom Mond (auf dem er lebt) wegen seines Alkoholkonsums gemaßregelt, eine Frau ringt mit sich, ihrer Mutter zu erzählen, dass sie schwer krebskrank ist, eine Jugendliche wird magisch vom Rotlichtviertel angezogen, ein Kind spricht offen aus, was nicht zu übersehen ist…

Themen, die schwierig sind, verunsichern oder denen wir ausweichen, erzählen oft von den Bruchstellen, den Rändern unseres sicher geglaubten Lebens. Wenn wir uns den in Tabus versteckten Geschichten nähern, können sie uns direkt zu uns selbst führen. Wir erfahren etwas über unsere Substanz, das, was uns Halt gibt, über die Regeln, die von uns selbst (oder auch den Generationen vor uns) aufgestellt wurden. Tabuthemen sind schon deshalb auch wichtige „Geschichtenschlüssel“ im autobiografischen Schreiben.

Leseproben aus dem Schreibtreff und aus anderen kreativen Quellen ;-) gibt es unter der Rubrik „Textfundstück„.

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Morgenseiten schreiben

Bester Einstieg in den Schreibtag - die Morgenseiten.

Bester Einstieg in den Schreibtag – die Morgenseiten.

Das erste Mal bin ich während meiner Studienzeit auf Julia Camerons Idee der Morgenseiten gestoßen – in ihrem Buch „Der Weg des Künstlers. Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität„. Ich probierte die Methode etwa 1 1/2 Jahr aus und war begeistert von ihrer vielfältigen Wirkung. Seit ich mit Schreibenden arbeite, empfehle die Schreibtechnik der Morgenseiten als Mittel, um…

  • in (besseren) Kontakt zu sich selbst und zur eigenen Kreativität zu kommen,
  • die Gedanken zu ordnen und herauszufinden, was zur Zeit wirklich wichtig ist – und ganz nebenbei:
  • das Schreiben zu trainieren, die eigene Schreibstimme (weiter) zu entwickeln.

So starten Sie schreibend in den Tag

Cameron empfiehlt, die Morgenseiten direkt nach dem Aufstehen zu verfassen. Ich koche mir vorher noch einen Kaffee und schon geht es los:

Sie nehmen ein A4-Schreibheft oder ein paar lose A4-Seiten zur Hand und einen angenehmen Schreibstift. Schreiben Sie nun möglichst ohne Unterbrechung und unzensiert 3 Seiten handschriftlich nieder! Hierbei geht es um das Schreiben als Tätigkeit und die zu erfüllende Menge: 3 Seiten – nicht mehr und nicht weniger. Inhalt und Qualität des Geschriebenen spielen hierfür keine Rolle. Schreiben Sie alles hintereinander auf, was Ihnen gerade in den Sinn kommt – Ihr momentanes Befinden, die Geräusche draußen, was an diesem Tag so ansteht und alle weiteren Gedanken, die herauswollen.

Lassen Sie sich von sich selbst überraschen: Neben viel „Spreu“, das selbstverständlich niedergeschrieben wird, tauchen manchmal ganz unvermittelt neue Ideen auf zu den momentanen Lebensthemen, zum aktuellen Buchprojekt – und die Morgenseiten können eine überraschende Tiefe bekommen.

Um diesen Effekt zu erleben, sollten Sie tatsächlich täglich und mindestens 30 Tage hintereinander schreiben. Die Seiten sollten im Anschluss nicht gelesen werden. Ich empfehle – wenn Sie weiteren Nutzen daraus ziehen möchten – die Texte frühestens nach 8 Wochen noch mal zu sichten. Dann können Sie die Spreu vom Weizen trennen, interessante Gedanken markieren, die entstandenen Ideen neu notieren. Spätestens dann können die Morgenseiten entsorgt werden.

Ich wünsche viel Vergnügen beim Ausprobieren und viele tolle Aha-Momente.

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Ode an eine Zitrone

kreative Schreibmethode: einen Liebesbrief an ein Obst schreiben

Das Schreiben mit allen Sinnen ist eine bewährte Regel, um Texten (aller Art) echtes Leben einzuhauchen.

Bei unserem Schreibtreff im Januar haben wir – zur Inspiration und Stärkung der Schreiblust – einen Liebesbrief an ein Obst verfasst. Und dabei auch das eine oder andere vitaminreiche Anschauungsmaterial direkt verspeist. Ich danke unserer Mitstreiterin Antje für ihren so entstandenen kleinen Spontantext, den ich hier veröffentlichen darf:

 

Meine Ode an die Zitrone

Viele verziehen nur das Gesicht und sagen, dass du sauer bist.
Aber ich verstehe dich, ich wäre auch sauer, wenn alle so ein Gesicht machen.
Dabei hast du auch ganz andere Qualitäten und bist ein Schatz.
Das muss mal gesagt werden.
Dein Gelb leuchtet.
Deine Vitamine verscheuchen die Viren.
Dein Duft erfrischt.
Manche erkennen, dass sauer lustig macht.
Du bist sehr flexibel und gern unterwegs.
Man kann dich in Limonaden, Cocktails und Duschgels treffen, im Brausepulver, im Eis und an vielen anderen Orten.
Du liebst auch die Gesellschaft von Äpfeln, Bananen und Orangen.

Ich mag dich und freue mich, dass es dich gibt.

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Seminarmethoden vorgestellt: Das Begleitbuch

Mit einem „Begleitbuch“ können wir auf besondere Weise Abstand zu unserer Arbeit gewinnen und neue Zugänge zu ihr finden.

Seminarmethode Begleitbuch Beispiel

Beispiel für ein Begleitbuch

Gerade in schreib- und denkintensiven Seminaren kann es wohltuend sein, Methoden des kreativen Gestaltens zu nutzen – und so den Kopf wieder frei zu machen, einen neuen Blick auf das Geschehen zu bekommen, sich des eigenen Erlebens bewusst(er) zu werden. Ein „Begleitbuch“ ist eine spielerische und häufig sehr überraschende Kreativmethode zur Reflektion des persönlichen Erlebens von (längeren) Seminaren oder Projekten.

Hierbei wird ein ausrangiertes Buch als Oberfläche genutzt und etwas Neues daraus gestaltet, das die Arbeits- und Lebenszeit während des Seminars abbildet. Die ursprünglichen Inhalte des Buches – Grafiken, Textabschnitte, Wörter, ja einzelne Zeichen können transformiert werden und neue Bedeutung gewinnen. Wir treten in Dialog mit dem Alten und inspirieren uns zu Neuem.

Methode nach: Udo Baer „Gefühlssterne, Angstfresser, Verwandlungsbilder. Kunst- und gestaltungstherapeutische Methoden und Modelle.“ (2014 in 8. Auflage bei Semnos erschienen)

Diese und weitere kreative Methoden verwende ich in meinen Seminaren und Schreibtrainings.

 

 

Seminarmethode Begleitbuch Beispielbild

Seminarmethode Begleitbuch Beispielbild

Seminarmethode Begleitbuch Beispielbild

Seminarmethode Begleitbuch Beispielbild

 

 

 

 

 

 

 

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Das Akrostichon – unerschöpflicher Ideengenerator

Schreibmethode Akrostichon-Beispiel zum Thema Herbst

Einfaches Beispiel für ein Akrostichon zum Thema Herbst

Das Akrostichon ist eine Textform, bei der die Anfangsbuchstaben (-silben) der einzelnen Zeilen zusammengelesen ein Wort oder einen Satz ergeben (oft ein Gedicht). Die Form des Akrostichons ist in der Literatur seit Jahrhunderten weit verbreitet –  so zum Beispiel in der jüdischen Literatur und sogar im Alten Testament anzutreffen.

Vielfältig verwendbares Ideen-Tool

Das Akrostichon ist als Schreibmethode sehr einfach umzusetzen und dabei erstaunlich effektiv. Ich setze es gern in meinen Seminaren zum kreativen Schreiben sowie im wissenschaftlichen / beruflichen Schreiben ein, um zu einem Thema neue Ideen zu generieren oder einfach spielerisch in ein Thema einzusteigen.

So einfach funktioniert die Schreibmethode:

  • Notieren Sie ein Wort (das Kernthema) und bilden Sie dann
  • von jedem Buchstaben des Wortes ausgehend ein neues Wort (oder eine Wortgruppe), das mit dem jeweiligen Buchstaben beginnt.

Beispiel für ein Akrostichon zum Thema/Wort „SONNE“

Sorgenfreier Tag
Ohne eine Wolke
Nichtstun. Träumen. Seele baumelt.
Natur umarmt die Träumenden.
Endlos scheint das Glück.

Akro…. was? Herkunft und Bedeutung des Begriffs

Der Begriff „Akrostichon“ ist aus dem Griechischen akron (= Höchstes) und stíchos (= Vers) hergeleitet und bedeutet „Versspitze“ oder „Versanfang“.

Eines der bekanntesten Akrosticha in unserem Kulturraum ist wohl:
I Ch Th Y S (hebräisch: Fisch). In die Worte „Iesòus Christòs Theòu Yiòs Sotèr“ gebracht, bilden die Buchstaben das christliche Glaubensbekenntnis: Jesus Christus Gottes Sohn Erlöser.