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Wortverwandlung auf Netzwerkparty

Metamorphosen – Armop met Hosen

Texte auf der Leine - Gedichte auf der Wortparty 2015

Gedichte auf der Leine – frisch geschrieben auf der Wortparty 2015

Auf unserer diesjährigen Netzwerkparty für Wortschaffende drehte sich alles um das Thema „Metamorphosen“. Verwandelte Wörter schmückten die Wände unserer Bürogemeinschaft in der Berliner Kreuzstraße – und auch in den Gesprächen ging es um Verwandlungen und Übergänge: in Berufs- und Lebenswegen. Wie bei jeder Wortparty gab es auch diesmal Gelegenheit zum kreativen Schreiben (siehe nebenstehendes Foto) und Spuren hinterlassen auf unserer Netzwerk-Landkarte „Wunderbare Wortwelten“.

Wir danken allen Besucher/innen der Wortparty für einen lebendigen, bunten Abend mit zahlreichen Wortwechseln. Mehr zu unseren Wortpartys steht hier: Netzwerkparty Berlin.

Und apropos „Übergänge“: Am So., 27.9. gibt es zu diesem Thema einen Schreibspaziergang. Kurzentschlossene Spazierfreudige können sich jetzt noch anmelden: info@moellerscript.de.

Auf der Wortparty 2015 - Netzwerkparty für Wortschaffende in Berlin

Auf der Wortparty 2015 – Netzwerkparty für Wortschaffende in Berlin

Wortgeschenke auf der Netzwerkparty 2015

Wortgeschenke für alle Beteiligten unseres Netzwerkspiels

Netzwerken auf Papier: Schreib- und Redekontinente auf unserer Netzwerk-Landkarte

Netzwerken auf Papier: Schreib- und Redekontinente auf unserer Netzwerk-Landkarte

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Eine Berliner Geschichte

Der folgende Text ist in einem unserer Schreibtreffs entstanden. Die Schreibaufgabe war hierbei, eine persönliche Geschichte zu schreiben, die den Autor bzw. die Autorin in Berlin erlebt hat. Ich danke für die freundliche Genehmigung der Autorin zur Veröffentlichung.

Ich erinnere mich: Es war damals in der Brunnenstraße… Es ist Herbst und es regnet in Strömen. Ich sitze in einem Altberliner Haus auf einem „Altdeutschen“ Stuhl mit geschnitzter Hochlehne und betrachte die ehrwürdige Einrichtung, die den Räumen eine besondere Stimmung verleiht. Ich warte, bis ich in das große Berliner Zimmer eintreten darf.
Man hat mich eingeladen, weil ich mich hier für eine Arbeitsstelle beworben habe. Die Tür geht auf. „Guten Tag“, sagt der große schlanke Herr mit sanfter Stimme. Er hat freundliche Augen und reicht mir die Hand, „kommen Sie doch rein, ich bin jetzt für Sie da.“
Ganz aufgeregt bin ich und es ist mir ziemlich warm davon. „Nehmen Sie doch Platz, einen Tee oder Kaffee?“, sagt er, und zeigt auf den Sitzplatz an seinem alten Schreibtisch gegenüber von dem antiken Sessel. „Einen Tee bitte. Könnten Sie bitte das Fenster öffnen? Es ist mir etwas warm geworden.“ – „Selbstverständlich, das tue ich.“ Mit schnellen leichten Schritten geht er über den knarrenden Parkettboden zum Fenster und öffnet es.
Es regnet nicht mehr, die Sonne blinzelt zwischen den Baumästen, die mit goldgelben Blättern geschmückt sind. Und jetzt hört man Musik aus dem Hof. Leierkasten-Musik, ganz laut. Dazu Gesang: Lieber Leierkastenmann… „Das ist Drehorgelmusik“, sagt der Mann auf meinen erstaunten Blick hin. Er bleibt am Fenster stehen und ich gehe zu ihm, um zu sehen, woher die Musik kommt.
„Sie sind nicht von hier“, stellt der Mann fest und lächelt, „es ist üblich, wenn Musiker auf dem Berliner Hof spielen, etwas Kleingeld in ein Tuch zu wickeln und es aus dem Fenster hinunter zu werfen.“
Plötzlich gehen sehr viele Fenster zum Hof auf, und aus den Wohnungen regnet es Taschentücher mit Geldstücken für die Musik.
Die Musik ist so wunderschön, dass ich ganz melancholisch werde, einige Tränen fließen vor Rührung Aber es ist schön, diese Atmosphäre erleben zu dürfen…Ich werfe auch ein eingewickeltes Geldstück aus dem Fenster hinunter für den Musiker. Dieser hebt seinen Hut und bedankt sich mit einer Verbeugung. Er spielt noch ein Stück und geht dann, nachdem er die Geldstücke eingesammelt hat.
Im Zimmer oben setzen wir beide uns jetzt an den großen Tisch, auf dem blaue Herbstastern in einer Biedermeiervase den Raum zieren.
„Nun ja“, beginnt der Mann die Unterhaltung, „wir sind ja heute hier zusammengekommen, weil Sie hier beginnen wollen zu arbeiten. Ich habe mir Ihre Unterlagen angesehen, sie gefallen mir.“ Bei diesen Worten lächelt er – noch wärmer als zuvor.
„Das ist für mich ein neues Arbeitsgebiet und für den Anfang werde ich etwas Unterstützung brauchen.“ – „Ich zeige und erkläre Ihnen erst mal alles, damit Sie sich zurecht finden können“, redet er beruhigend auf mich ein, „und wenn Sie anfangen, werden Sie für mich große Hilfe sein. – Was meinen Sie, nächste Woche Montag?“ „In Ordnung, ich komme!“ Ich bin erleichtert.
„Wenn Sie kommen und hier arbeiten, können Sie jede Woche einmal die Drehorgelmusik hören und mit der Zeit auch mitsingen, Lieber Leierkasten-Mann…der fängt immer von vorne an, mit der alten Melodie. Das gefällt Ihnen doch, oder?“ Jetzt lacht der Herr laut und mit viel mehr Wärme strahlen seine Augen. Ich lächle auch und habe ein angenehm vertrautes Gefühl. Vielleicht, weil wir gemeinsam der Musik gelauscht haben.
Musik verbindet, denke ich… und: Wo man singt, lass dich ruhig nieder – böse Menschen haben keine Lieder…

© Textarchiv möllerscript, 2012